BREMEN. Das scheue Tier ist neugierig aus der Wildnis gekommen, nun ist es erwacht, in einem Käfig, den sie Welt nennen, eingesperrt in Koordinaten und Zahlen. Der Wortnapf ist leer, auf die Wunden des exotischen Tiers haben sie ein Pflaster geklebt, "Achtung, hochbegabt!" steht darauf.
Berichte "Aus der verbotenen Stadt" sind die Texte, die die Bremerin Nina Kupczyk in ihrem neuen Buch liefert. In dieser Sammlung von Prosagedichten, Lyrik und Geschichten spürt sie den großen philosophischen Themen nach, lotet das Leben und seinen Sinn aus, und - gemäß dem romantischen Verständnis vom schöpferischen Genie - die kreative Urgewalt des Künstlers. Doch schildert sie auch die Bedrohung des göttlich Begabten, den die Welt nicht versteht. Und alles kreist um die Frage: Was wird mit der Besonderheit, die in keine Systematik passt? (weiter pdf 1 __pdf2)
Der Lehrer und das Wunderkind
jetzt erschienen bei Monstensein und Vannerdat unter
"Der Lehrer, das Wunderkind und getreidefeldmitrabenschwarz"
Die Welt 8.1.2001
"Für mich steckt in jedem Wort eine Melodie"
Nina Kupczyk, Tochter einer traditionsreichen Bremer Musikerfamilie, hat ihren ersten Roman publiziert
Von Sigrid Schuer
Für Nina Kupczyk könnte der Tag gut und gern 48 Stunden haben. So vielschichtig und komplex sind die künstlerischen Arbeitsfelder der gerade mal 25-Jährigen. Zurzeit studiert die zielstrebige junge Frau Musiktheater-Regie an der Hamburger Musikhochschule. Außerdem will sie demnächst ihre Schauspiel-Ausbildung beenden. Und so ganz nebenbei hat Nina Kupczyk gerade ihren ersten Roman "Der Lehrer und das Wunderkind", der im Fouqué-Verlag erschienen ist, veröffentlicht. Und das mit beachtlicher Resonanz. Der bilderreiche, expressionistische Sprachstil der Bremerin beeindruckte unter anderem Thomas Thornton, den ehemaligen Leiter des Suhrkamp-Verlages. Ihr Roman-Erstling wurde im Sommer 2000 auf der Book-Expo in Chicago vorgestellt und ist jetzt zur Buchmesse nach Japan eingeladen.Auch der New Yorker "New directions"-Verlag hat bereits Interesse bekundet. Für die Autorin, die seit vier Jahren Kurzgeschichten, Gedichte und Prosa in diversen Anthologien veröffentlicht hat, war "es einfach spannend, die Atmosphäre der amerikanischen Literatur zu erleben und die Natürlichkeit der Herangehensweise. Das betrifft übrigens auch die Strukturierung der Hochbegabtenförderung", sagt Nina Kupczyk, die in Deutschland diesbezüglich immer noch Defizite sieht.
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Rene Dietz, 2001
Max Welt, unser Mann. Die Welt unseres Mannes könnte man sagen. Max ein Kind wunderbarer phantastischer Begabung, träumerischer Hochbegabung inmitten einer Klasse ebenfalls hochbegabter Kinder, zwölf, dreizehn Jahr’ alt. Der Unterschied: Max Welt ist begabt die Welt zu sehen und zu verstehen, ist ein Gedankenkünstler und Ausdruckskünstler, spricht nicht - die anderen Kinder jedoch erscheinen als Roboter, denen Begabungen antrainiert wurden.
Besagte Sprachlosigkeit macht es einesteils für die Autorin schwer, eine Kommunikation zwischen Protagonist und Leser aufzubauen, denn hier geht es eindeutig um eine Weltsicht, die vermittelt werden soll. Max läuft los, schaut sich um und sieht; versteht und kreidet an, doch eben wüßte man es nicht, spräche nicht jemand mit uns. Also erscheint “unser Mann” auf den Seiten der Handlung, gewissermaßen reflektierendes Ich des Max, Sprachrohr zwischen den Gedankenwelten des Kindes und dem Leser. Gelungen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Die Erzählung erfolgt als Draufsicht, das Geschehen wird uns durch die Autorin selbst geschildert. “Unser Mann” ist einfach unser Mann, er wird uns so gegeben. Zugegeben wehrte ich mich anfangs ein wenig gegen meinen Mann, aber man gewöhnt sich daran. Was ich damit meine: der Leser wird gezwungen sich mit der Figur des Mannes gut zu stellen, da es ja sein Mann ist, wobei keinesfalls fest stehet ob der Leser das überhaupt will. (weiter mit pdf)
Anthologie junger Menschen
"Wenn der Abend die Herzen trocken legt, vertreibt Heimweh Ungewissheit." Das Leben bietet Situationen, Abschnitte und Begebenheiten, da können wir nicht anders, müssen sie aufzeichnen.
Nach dem Sturm im Kopf das Erlebte einfrieren. Verdichtendes Zuspitzen. Merk-Würdiges. Stimmungsbilder. Ohne erkennbare Handlung oder handelnde Personen. Weitestgehend, im weitesten erweiterten Sinne. Wenn es doch irgendwie gepaßt hat. Be- und Umschreibungen von Natur und Gefühl. Außen- oder Innenwelten. Liebe und Beliebigkeit. Bei weitem. - Nein. Und doch : Zartes Entsplittern. Das Aufstellen von Buchstaben wie Härchen auf dem Arm. Augen, Blicke, Worte. Regungen be- und erzeugen.
Der Dresdner Verlag worthandel verschreibt sich solchen "Momentaufnahmen in Dichtung" und präsentiert uns eine "Anthologie junger Menschen", unkonventionell illustriert on Franziska Müller. Enrico Keydel hat Texte von 21 Autoren ausgewählt und bietet einen Einblick (weiter mit pdf)