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UrMozart@AMADEUS_TOTAL.Kind.de
UA am 10. Mai 2012 im Theater im Schokohof Berlin
in Zusammenarbeit mit dem TeAtrum VII
Text: Nina Kupczyk
Regie: Nina Kupczyk und Sascha Weipert
„Ich bin. Ich war. Ich wär. Ich bin gewesen. Ich war gewesen. Ich wär gewesen. Oh, wenn ich wäre, o dass ich wäre, wollte Gott ich wäre, ich würde sein. Ich werde sein, wenn ich sein würde, ich werde gewesen sein, wollte Gott ich wäre gewesen- was? Tres affectione, Sauschwanz trazom!“ Was ist das? Sieh an. Da ist’s mir doch aus dem Hirn gefallen! Ach, ach sieh, sieh mal an!“
Kurzkonzept
Das Stück themastiert den Verlust von Identität durch den Zwang zur Vermarkung der eigenen Individualität. Es stellt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Genie und Wahnsinn und zeigt den Mechanismus der Massenmedien, aus dem Spiel von „a star ist born“ und anschließender Zerstörung ein Millionengeschäft zu machen.
Inhalt
Es war einmal ein Wunderkind und das heiß Urmozart. Es hatte schon lange keinen Erfolg mehr und wollte deshalb ohne viel Drama in die Vollendung eingehen. Da erscheint ihm im letzten Augenblick jener Graf, der ihn ein paar Jahre zuvor mit einem Tritt in den Hintern gefeuert hatte: Colloredo, nun ein hochbezahlter Entertainer aus dem Showmastergeschlecht der Bohlens, der ihm nun anbietet, in der Casting Show des Lebens ein letztes Mal sein Genie unter Beweis zu stellen.
Was nun?
Jetzt zeigt sich, was es heißt ein Genie zu sein. Amadeus, übersetzt: „von Gott geliebt“, kommt in seiner Not auf eine grandiose Idee: er will nicht eine Person sein, sondern je nachdem, wie es eben gerade der Markt verlangt, so viele Bereiche mit sich abdecken, wie nur irgend möglich. Und so spaltet sich Urmozart schließlich in verschiedene Amadeen auf: in HappyAmadeus1, TranszendentikAmadeus2, NichtszufressenaberschönekleiderAmadeus3, WahnsinnsAmadeus4 und LeakerAmadeus5 und PostmigrantischerAmadeus6, und schlüpft in verschiedene Rollen aktueller Medienikonen.
Da erscheint er z.B. einmal als Wikileaks oder Theodor von Guttenberg, ein anderes Mal als Lena, oder stellt sich im Kollektiv der Telefonzellen- Challange von „The next Amadeus- Supermodel“.
Daneben kommt aber auch immer wieder der Amadeus durch, den das Komponieren weniger anstrengt als zu leben. Das ist das hungernde Kind, dem Tag und Nacht Musiken aus Kopf fallen und das mit Schwester Nannerl umherirrt, um den Vater in der Dunkelheit zu finden. Dieses bringt jene Verstörung mit sich und stellt für alle eine solche Gefahr dar, dass es ignoriert werden muss, was nur schwer gelingt. Und so gerät im Verlauf die Ausstellung der Selbst- Inszenierungen außer Kontrolle. Plötzlich übermannt die Amadeen Selbstzerstörung, bis schließlich die Elektrik ausfällt und der Supergau passiert: HappyAmadeus, das elektrische Kind unter den Amadeen, fällt aus und damit funktionieren die kopierten Realitäten auch nicht mehr. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf. Es gibt ein paar Todesfälle, ein bisschen Tsunami-Flair, und endet in der Erkenntnis, dass alle die ganze Zeit nur Show gemacht haben. Für nichts und wieder nichts. Fakebook interpretiert haben. Da steht plötzlich WikiLeaks-Amadeus auf und verkündet das Manifest:
„Wir müssen unser Leben ändern, sagte der Hirte. Aber wozu, wozu? Heute top, morgen flop. Hopp, hopp, hopp! On every street there is nobody who dreams of being somebody. He is a lonely forgotten man desperate to prove that he is alive…”